Velvet Greyhounds

Mein erster Windhund

Ein Klassenkamerad nahm mich mit auf die damalige Windhundrennbahn des Berliner Windhund Rennvereins. Nachdem er gesehen hatte, daß ich in der Schulpause einen Artikel über Windhundrennen las, fragte er mich, ob ich mich dafür interessiere. Ich antwortete, daß ich mich für alle Hunderassen interessiere, und so kam es, daß er mich am nächsten Wochenende mit auf den Rennplatz nahm.

Eine andere (Hunde)-Welt

MCh. Spalowil's Desir, Vorfahre der "Velvet's" Die Windhundwelt war eine ganz andere Welt als die, in der ich bisher gelebt hatte, der "Dackelwelt". Mein erster Kontakt zu Windhunden war der zu Salukis, denn Bekannte meines Schulkameraden hatten Rennsalukis. Ecki Graf und seine Frau Sigrid besaßen damals u.a. den Vater des legendären B-Wurfes aus der Zuchtstätte "el Riad" - der Vater dieses Wurfes hieß "Tell al Muquayyar's Anu" (man möge mir Schreibfehler vergeben bei diesem Namen !!), ein Hund der selbst nie großartig auf der Rennbahn in Erscheinung getreten war aufgrund einer frühen, schweren Verletzung, die ihm Wildschweine zugefügt hatten. Es war im Jahr 1975 als ich das erte Mal diese Rennbahn betrat und die Hunde kennenlernte. Einen der ersten Greyhounds, den ich im Leben sah, war der berühmte Greyhound "Spalowil's Desir" (vielfacher Champion u. UICL-Champion für S&L), der regelmäßig in den Pausen des Trainings bei seinem Herrchen Manfred Müller auf dem Schoß saß. Eine Symbiose, wie man sie nur selten findet in einer Mensch-Hund Partnerschaft. Und es sollte ein Sohn von Spalowil's Desir sein, den das Schicksal einige Jahre später zu mir brachte ....
MCh. Spalowil's Desir unter der Startnr. 4, im Vordergrund So träumte ich von einem Greyhound, den ich eines Tages mein Eigentum nennen wollte, wohlgemerkt träumte ! Ich wurde jäh aus diesen Träumen gerissen, als meine Mutter mir eröffnete, daß sie diese Rasse für zu aufwendig in jeder Hinsicht hielt, denn schließlich stand sie alleine da, nachdem mein Vater kurz vorher verstorben war und meine Schwester (damals gerade 21) und ich (damals gerade 15) beide noch lange Ausbildungen vor uns hatten. Wie sollte sie das alles alleine finanzieren, und wo sollte da ein großer Greyhound, der, wie uns gesagt wurde, nicht gerade der einfachste Windhund für Anfänger ist, einen Platz in unserem Dreimadelhaus finden ? Meine Enttäuschung war groß, hielt aber nicht lange an, denn ein Kompromiß konnte geschlossen werden: Die Anschaffung eines Whippets ! Ich war das glücklichste Mädchen auf der ganzen Welt und ich bekam, was ich mir so sehr gewünscht hatte: einen kleinen Greyhound in Form eines großen, kräftigen Whippets. Er hieß "Velvet vom Buchwald" und wuchs und wuchs und irgendwann hörte ich auf, ihn tagtäglich zu messen, denn er war inzwischen zu einer stattlichen Größe von 56 (!) cm Schulterhöhe herangewachsen. Also wirklich ein kleiner Greyhound !

Velvet vom Buchwald

Velvet, "Namensvater" meiner Zuchtstätte Velvet war mein Ein und Alles. Wir holten ihn im Alter von 3 Monaten von Familie Nottbrock in Westfalen. Als ich das erste Mal stolz mit Velvet auf den Rennplatz kam, wurden wir mit offenen Armen begrüßt, denn all meine Windhundfreunde wußten bereits, daß Whippet-Zuwachs bei Familie Rediske u. im Windhundrennverein anstand. Daß Velvet schon mit 3 Monaten recht groß gewachsen war, war mir sehr lieb, fiel allen anderen aber natürlich auch gleich auf. Da ich eigentlich sowieso lieber einen Greyhound gehabt hätte, konnte er nicht groß genug für mich werden ! Velvet war ein schneller und sehr ambitionierter Renner, er absolvierte die Rennlizenz und wir waren immer gern bereit, ihn anderen Hunden im Verein als Begleithund für ihre Lizenzläufe zu Verfügung zu stellen. Das war eine seiner unzähligen "Missionen" in der Windhundwelt. Da er groß und kräftig war, rannte er auch mit Vertretern der großen Windhundrassen, wie z.B. Salukis, Barsois und auch Greyhounds. Seiner Ahnentafel war zu entnehmen, daß viele seiner Vorfahren erfolgreiche Rennwhippets gewesen waren mit unzähligen Titeln des Renn- u. Ausstellungsbereichs. Velvet's Schwester "Voice v. Buchwald" ist übrigens in den Ahnentafeln einiger sehr erfolgreicher deutscher Rennwhippets vertreten, nicht zuletzt war Voice die Mutter der legendären "Jane v. Buchwald" von Familie Rogoll ("Powerplays"-Whippets). Jane war eine der erfolgreichsten deutschen Whippethündinnen im Renn- u. Ausstellungsbereich und vererbte sehr schnelle, aber auch sehr schöne Whippets. Velvet war ein Pionier der heutigen "Nationalen Klasse" der Rennwhippets. Damals nannte man die Whippets, die standardmäßig über dem Höchstmaß lagen, die "Sprinter" und da sie damals noch "verpöhnt" waren, legte ich teilweise sehr lange Wege zurück (Hamburg, Oberhausen in der Pfalz oder Köln), um an Rennen mit Velvet teilnehmen zu können, wo mindestens drei "Sprinter" gemeldet waren und das Rennen stattfinden konnte. Wenn ein Whippet-Rüde größer als 52 cm (damals!) gemessen wurde, ließ man ihn lieber zu Hause, als sich auf Windhundrennplätzen mit ihm sehen zu lassen. Manchmal ändert sich die Zeit zum Positiven: heute ist die Nationale Klasse oft stärker besetzt als die Grund- oder die A-Klasse beim Rennen ! Durch Velvet bin ich damals in einen neuen Kreis von Menschen mit ihren Hunden gekommen, die mir nach dem Tod meines Vaters und Frau Witteks schnell ein völlig neues, anderes, sehr interessantes Umfeld geboten haben und mich herzlich in ihren Kreis aufnahmen. Eine schöne Zeit für mich, an die ich mich immer gern erinnern werde: an meine Anfänge im Windhundsport beim Berliner Windhund-Rennverein e.V. im Jahre 1975 in Berlin-Gatow.
Velvet im Jahre 1976 bei seinem ersten Rennen, einem Werberennen auf der Trabrennbahn Mariendorf in Berlin