Velvet Greyhounds

Früh übt sich ....


Tiere waren für mich von Kindesbeinen an faszinierend. Als kleines Kind im Alter von 4 Jahren antwortete ich auf die Frage zu meinem späteren Berufswunsch: "Ich will Pferdefütterin werden !" Naja, ab da an ging's dann los: da es in der Nachbarschaft keine Pferde gab (wir wohnten im Westteil der Stadt Berlin in einer Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern) suchte ich mir ein ähnliches Tier aus: einen alten deutschen Schäferhund, der drei Häuser neben unserem Haus in einem hoch eingezäunten Garten lebte. Ich erinnere mich, daß ein Schild am Zaun hing mit einem schrecklich aussehenden Hundekopf drauf, darunter war etwas geschrieben, aber da ich nicht lesen konnte, interessierte es mich auch nicht.
Viel interessanter war der Schäferhund an sich. Wenn wir frühstückten, steckte ich mir jedes Mal ein Stückchen Wurst oder Käse ein, lief aus unserem Garten hinaus, und wenn Tyras (so hieß der Schäferhund) mich hörte, steckte er seinen großen Kopf durch den Jägerzaun, um sich aus meiner kleinen Kinderhand vorsichtig seine Leckerei abzuholen. Wir wurden Freunde, bis es sein Besitzer merkte, der für mich unverständlicherweise völlig überreagierte, indem er meinen Eltern gegenüber behauptete, daß sein Hund bissig sei und es gefährlich wäre, mich an ihn heranzulassen. Bis zu diesem Zeitpunkt wußten meine Eltern nichts von meinen täglichen Stipvisiten bei Tyras und ich kann mich noch heute gut an das Gesicht meiner Mutter erinnern, als sie von meinen täglichen Ausflügen zu Tyras erfuhr ....
Da nun alle Bescheid wußten, brauchten wir unsere Freundschaft nicht länger zu verbergen und ich betrat von da an mit insistierendem Interesse täglich den Garten von Tyras, um mich um ihn zu kümmern. Ich bürstete täglich riesige Fellberge aus seinem dichten Pelz (er war wohl noch nie gebürstet worden) und es tat ihm sichtlich wohl.

Der letzte Sommer, den ich mit ihm verbrachte, war sehr heiß und eines Tages kam ich in den Garten und er war nicht mehr da, denn er war in der Nacht gestorben.

Die nächste Instanz in Hundeangelegenheiten

Charlotte Wittek im Jahr 1969 mit Langhaardackelhündin Peggy v. Kurland und ihren drei Welpen Nach der Trauer um Tyras, die einige Wochen andauerte, folgte bald die nächste Instanz in meinem Hundeaktionsradius: ich hatte schon geraume Zeit eine ältere Dame, die täglich mit einigen Dackeln spazierenging, beobachtet. Da sie wie eine kleine runzelige Hexe aus meinen Kindermärchenbüchern aussah, traute ich mich lange Zeit nicht, sie anzusprechen, bis mich eines Tages die Neugier überkam und ich ein Gespräch mit ihr anfing. Im Nu war das Eis gebrochen, denn schließlich waren die Hunde für mich das Wichtigste ! Mein memorisierter Fragenkatalog hinsichtlich der Dackel war anscheinend zu lang, denn sie bat mich, doch mal bei ihr vorbeizukommen, da sie jetzt keine Zeit mehr hätte. Das war eine Einladung ! Ich war sechs Jahre alt und meine Eltern ließen mich erst zu ihr, nachdem sie mit ihr gesprochen hatten - worüber, weiß ich bis heute nicht. Frau Wittek war Züchterin von Langhaardackeln. Sie legte großen Wert auf die Arbeitsprüfungen für ihre Zuchthunde (wie z.B. Spurlaut-, Schweiß- u. Kunstfuchsbau), und außerdem präsentierte sie ihre Hunde auch erfolgreich auf Zuchtschauen - ein zweigleisiges Zuchtziel - Schönheit u. Leistung -, was ich unter diesem Namen erst viele Jahre später im DWZRV kennenlernte. Ich verbrachte viele Jahre jeden Nachmittag bei Frau Wittek. Ihre Zuchtstätte hieß "vom Kurland", sie zog im Jahr einen Wurf auf. Sie lehrte mich viel über Welpenaufzucht, Ernährung, zeigte mir, wie man die Hunde auf Zuchtschauen präsentierte und wie sie jagdlich zu führen sind.

Mein erster eigener Hund

Frau Wittek, Katharina Rediske und die Kurland-Dackel ... war ein Kaninchenteckel, er hieß Hannemann von der Traben, ich bekam ihn zu meinem siebenten Geburtstag von meinen Eltern geschenkt. Frau Wittek hatte uns die Adresse der Züchterin gegeben (Frau Wittek selbst hatte zu dieser Zeit gerade keine Welpen), die noch einen 4-Monate alten Junghund zu verkaufen hatte . Meine Eltern fuhren zu Frau Röschke in Berlin-Grunewald, die den Zwinger "von der Traben" besaß. Hannemännchen war ein Langhaar-Kaninchenteckel, also viel kleiner als die Dackel von Frau Wittek und jeder, der uns nicht kannte, glaubte, Hannemännchen sei einer von Frau Witteks Welpen, selbst als er schon mehrere Jahre alt war. Ich verbrachte sieben herrliche Jahre mit Frau Wittek, ihren Dackeln und meinem Hannemännchen. Wir unternahmen Wanderungen, beschäftigten uns mit den Jagdausbildungsprogrammen für die Hunde, fuhren zu Ausstellungen und ich lernte durch Frau Wittek auch den bekannten und international anerkannten Kynologen Eberhard Trumler (Schüler von Konrad Lorenz) persönlich kennen, dessen Bücher ich mit 10 Jahren "verschlang" und ich mich auch heute noch ertappe, die inzwischen in meinem Regal vergilbten Trumler-Bücher zur Hand zu nehmen, um Vergessenes in Sachen Hundeverhalten immer wieder aufzufrischen. Seine zu Papier gebrachten Beobachtungen und Forschungen werden nie an Aktualität verlieren und viele erfolgreiche Hundeschulen und -ausbilder orientieren sich bis heute an den Trumlerschen Publikationen und den darin beschriebenen kynologischen Verhaltensmustern. Nach sieben glücklichen Jahren in diesem Kreise, die ich niemals missen möchte, verstarb unser Hannemännchen an Teckellähmung. Ich war damals 14 Jahre alt und kurz danach ereilte meine Familie ein weiterer Schicksalsschlag: Mein Vater starb ganz plötzlich an einem Herzinfarkt im Alter von 48 Jahren. 1974 war ein schlimmes Jahr, in dem mir sehr viel genommen wurde, denn bald danach starb auch Frau Wittek, die für mich wie eine Oma war, die zu all meinen Kindergeburtstagen zusammen mit meinen Freunden eingeladen wurde, zu der ich mit all meinen Sorgen, aber auch all meinen Freuden gehen konnte, wenn meine Eltern beschäftigt waren und so mußte ich in diesem Jahr von zwei Menschen Abschied nehmen, an denen ich sehr gehangen habe.
Hannemann von der Traben, mein Kaninchenteckel